Federweißer-Rhein

Federweißer ist sehr wohl ein richtiger Wein, und zwar der erste Wein des Jahres! Aus diesem Grund wird er in manchen Regionen auch als „neuer Wein“ bezeichnet. Viele verbinden mit ihm die Weinfeste an der deutschen Mosel oder im Rheingau. Dabei ist Federweißer ein europäisches Phänomen. Gesoffen wird schließlich überall.

Wie entsteht Federweißer?

Wie jeder andere Wein auch, entsteht Federweißer aus Traubenmost. Durch die aus der Natur oder von Menschenhand zugesetzten Hefen, beginnt der Federweiße zu gären. Dabei wird der in den Trauben enthaltene Zucker in Alkohol und Kohlensäure umgewandelt. So weit, so gut, doch einen Unterschied gibt es schon: Anders als z.B. bei anderen neuen Weinen, wie dem Beaujolais Primeur, ist beim Federweißen der Gärungsprozess noch nicht ganz abgeschlossen. Das führt dazu, dass der Alkoholgehalt niedriger ist als beim herkömmlichen Wein. In Deutschland wird er ab 4 % Alkohol (aber meistens mit um die 10 %) angeboten. Dazu kommt, dass ein Federweißer nicht filtriert wird, was dann auch seine trübe Farbe erklärt.

Aufgepasst! Dadurch, dass der Gärungsprozess nicht abgeschlossen ist, wird Federweißer mit luftdurchlässigem Deckel angeboten (der Kohlendioxid muss entweichen können). Die Flasche also nicht liegend bewahren (habe ich selbst dieses Jahr wieder vergessen!!! Und nun durfte ich am Sonntag den Kühlschrank putzen!!!).

Wie schmeckt der Federweiße?

Im Allgemeinen teste ich nur Supermarktwein und habe mir zur Aufgabe gestellt, besondere Perlen für meine Leser zu finden. Da gehört ein Federweißer sicher nicht dazu. Doch wenn am Herbstbeginn auf den Weinfesten der Federweiße fließt, muss auch der Weinsnob Folge leisten. Mein Versuchswein von Rewe liegt trübe im Glas, sieht also genauso aus, wie ein nicht filtrierter Wein auszusehen hat. Was mir persönlich sehr gefällt, ist, dass Federweißer nicht nach Wein, sondern nach Apfelviz riecht – und zwar stark. Auch auf der Zunge macht sich der Apfelgeschmack bemerkbar, allerdings gesellt sich ein Eindruck von Trauben hinzu. Schließlich ist auch Federweißer Wein! Was dieses Ding trotz niedrigem Alkoholgehalt so gefährlich macht, ist sein süßer Geschmack. Anders als beim Dessertwein, ist der Wein in keinster Weise marmeladig, sondern einfach wie Fruchtsaft. Die Süße kaschiert ganz klar den Alkohol. Was anfangs also als ein angenehmes Limonadegetränk erscheint, kann sie aber nach 1-2 Flaschen hinterhältig erschlagen…

Für diejenigen, die solchen süßen Wein mögen: rein in den Kühlschrank damit! Ist der Federweiße noch zu süß, dann einfach eine Stunde bei Zimmertemperatur aufbewahren und schon setzt der Gärungsprozess wieder ein: Der Zucker wird weiter in Alkohol und Kohlensäure gespalten, eine leichte Säure macht sich bemerkbar.

Bewertung3Es mag wohl kaum überraschen, dass solch ein Partygetränk nicht aus den besten Trauben gewonnen wird. Dennoch ist das Produkt derart beliebt, dass manche Weinkellereien sogar Most aus Norditalien ankaufen müssen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Klar präferiere ich einen ausgewogeneren Riesling, doch als Begleitung zum Zwiebelkuchen (oder einem deftigen Brunch) lässt dieser Federweiße sich gut trinken!

Diesen Federweißen vom Rhein gibt es bei Rewe für 2,49 Euro. Dieser Preis ist hammergünstig, wenn man bedenkt, dass andere Spaßweine, wie der Cinzano Asti deutlich mehr kosten.