Terroir ist der umstrittenste Begriff in der Weinwelt! Experten schwören, dass sie ihn im Wein herausschmecken können. In vielen Foren wird darüber diskutiert, ob er überhaupt existiert.

Ganz einfach erklärt, ist Terroir eine homogene geografische Zone. Es gibt ein einheitliches Klima, Gelände, Geologie und Bodenlage. Terroir beschränkt sich nicht nur auf Weinbau, sondern betrifft viele Bereiche der Landwirtschaft.

Steillage-Mosel

Steillagen bei Cochem an der Mosel.
(Quelle: Heribert Pohl – https://www.flickr.com/photos/poly-image/14522103549/)

Definition von Terroir

Terroir ist das Zusammenspiel von Klima, Gelände, Boden und Geologie, wodurch ein Wein seinen einzigartigen Geschmack bekommt. Zusammen mit dem Kellerausbau ist Terroir ein wichtiger Faktor im Weinanbau, da es den Charakter des Weins maßgeblich prägt.

Wie schmeckt man das Terroir im Wein?

Hier gehen die Meinungen radikal auseinander. Doch ich bin der Meinung, dass man die Region definitiv schmecken kann:

  • Rotweine aus kälteren Regionen sind säurehaltiger
  • Rotweine aus wärmeren Regionen haben mehr Alkohol und mehr Tannine
  • Weißweine aus kälteren Regionen wirken frischer und haben eine stärkere Säure
  • Nördliche Regionen mit starken Berghängen (insbesondere mit südlicher Ausrichtungen) können reifere Weine hervorbringen (wie in südlichere Regionen)
  • Weine aus höher gelegenen Anbaugebieten (wie Salta in Argentinien) bringen frischere Weine hervor, da die Temperaturen niedriger sind.
  • Mehr Regen steigert die Konzentration des Geschmacks im Wein

terroir-Übersicht

Woraus besteht Terroir?

Es gibt vier Bestandteile von Terroir, welche den Wein und seinen Geschmack auf unterschiedliche Weise beeinflussen: Klima, Gelände, Boden und Geologie.

Klima – Heiße Gebiete liefern Weine mit mehr Alkohol

Dass zu Terroir auch das Klima zählt, dürfte sogar die Skeptiker des Begriffs kaum überraschen. Das Klima ist der zentrale Einflussfaktor auf den Geschmack von Wein. Beispiel: In sehr sonnigen Gebieten hat der Wein mehr Alkohol. Das liegt an der Fotosynthese, wodurch sich in den Trauben mehr Zucker bildet. Bei der Gärung des Weins entsteht somit mehr Alkohol.

Wenn ein Wein einen hohen Alkoholgehalt hat, schmeckt man das auch. Die Weine sind schwerer und trockener, die Bitternote wirkt stärker.

Gelände – Auf die Lage kommt es an

Hier gibt es gleich mehrere Bestandteile. Die Topografie (Erdoberfläche) beeinflusst den Wein u.a. durch ihre Sonnenausrichtung. Bekommt die Lage mehr Sonne ab, wird der Wein einen höheren Alkoholgehalt haben (ähnlich wie beim Klima).

Steillagen, wie man sie an der Mosel hat, sorgen dafür, dass das Regenwasser schneller abläuft. Die Böden werden dadurch weniger fruchtbar – die Reben müssen härter arbeiten.

Terroir-höhenweine

Höhenweine sind bekannt für ihre Frische. (Quelle: Chris Ford – https://www.flickr.com/photos/chrisschoenbohm/12243319436/)

Die Höhe spielt ebenfalls eine Rolle. Höhenweine sind frischer und haben einen stärkeren Säuregehalt. Die argentinischen Anden mit ihren Torrontès Weinen sind hier ein gutes Beispiel.

Boden – 3 Gruppen im Weinbau

Anfänger sollten drei Bodentypen kennen: Sedimentäre Böden, Vulkanböden und Metamorphes Gestein.

Sedimentäre Böden entstehen durch Abtragungen an Land und im Meer. Muschelkalk findet man in vielen Weinanbaugebieten in Deutschland, wie in Franken. (Gips)keuper kommt in Württemberg vor. Das Gestein ist weich und reich an Magnesium, wodurch es dem Wein eine gewisse Mineralität verleiht.

Vulkanböden sind die zweite Gruppe im Weinbau. Diese kommen nicht nur in Gebieten mit aktiven Vulkanen vor (wie auf Lanzarote oder Santorini), sondern auch im Rheingau oder der nord-italienischen Soave. Die Weine sind meist füllig und gehaltvoll.

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Weinanbau in der Vulkanlandschaft von Lanzarote

Metamorphes Gestein ist die Mischung aus den beiden ersten Gruppen. Diese Böden sind aus der Kompression von sedimentärem und Vulkangestein entstanden. Ein gutes Beispiel ist Schiefer, wie man ihn an der deutschen Mosel vorfindet, der rassige und feine Weine ermöglicht.

Geologie – Die Zusammensetzung des Untergrunds

Dieser Bereich ist sehr komplex. Stark vereinfacht betrifft die Geologie im Weinbau die Zusammensetzung des Bodens. Besteht der Untergrund aus vielen feingliederigen Steinen oder aus zahlreichen Unterschichten – der Einfluss auf den Wasserablauf ist unterschiedlich.

Ebenso betrifft die Geologie die chemischen Elemente im Boden. Kommt Kupfer oder Kalium vor, kann man das auch im Wein erkennen.

Wie hier gezeigt, spielen bei der Weinherstellung nicht nur die Kellertechnik und der Ausbau eine wichtige Rolle. Weinexperten sind sich einig: Weinbau fängt bei der Lage der Reben an. Das Terroir beeinflusst nicht nur den Geschmack des Weins – es ist der Ausgangspunkt für eine gute Flasche!