Weinsnob Talk: Interview mit Wolf Wilder von Vinos.de

Schon einmal davon geträumt, mit Wein Geld zu verdienen? Vielleicht sogar einen eigenen Weinshop zu starten? Wolf Wilder, Geschäftsführer von vinos.de, hat genau dies gemacht. Was vor langer Zeit einmal als kleiner Weinladen in Berlin Kreuzberg anfing, ist heute ein großes E-Commerce mit über 1800 spanischen Weinen im Angebot. Für mich Grund genug, den Gründer zu einem persönlichen Weinsnob-Gespräch einzuladen.

Für die Leser, die Vinos.de noch nicht kennen, stellen Sie Ihr Geschäft bitte kurz vor.

Wolf Wilder: Vinos.de ist ein auf spanische Weine spezialisierter online Shop.  Über die Jahre ist es uns gelungen, ein sehr breites Sortiment, mit über 1800 verschiedenen Weinen, aufzubauen. Es ist unser oberstes Ziel, unseren Kunden ein breites Spektrum an spanischen Weinen zu bieten.

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Sie haben bereits 1996 Ihren ersten Laden in Kreuzberg eröffnet. Heute leiten Sie einen großen Online Shop und arbeiten mit dem Weingiganten Hawesko. Was hat sich in Ihren Augen am meisten verändert?

Wilder: Unser Shop wird demnächst 18! Aber nicht nur Vinos.de  ist volljährig geworden, die spanischen Weine haben ebenfalls endgültig das Erwachsenenalter erreicht. Als wir angefangen haben, konnte man spanische Flaschen eher selten in Deutschland finden. Das ist heute ganz anders. Auch beim Kunden hat sich viel getan. Der Konsument weiß, dass Spanien mehr als nur holz- und säurebetonte Weine zu bieten hat.

Mit den Mesa und Lumos Serien verfolgen Sie noch weitere Weinprojekte. Können Sie kurz erläutern, was es damit auf sich hat?

Wilder: Bei den Lumos Weinen geht es uns darum, den Kunden seinen ganz persönlichen Weingeschmack entdecken zu lassen. Es ist für die meisten Konsumenten nicht so einfach, ihre persönlichen Präferenzen zu äußern. Gleichzeitig verrät das Etikett oft nur wenig über den Geschmack eines Weins. Wir haben für die Kundschaft verschiedene Geschmacksrichtungen nach einem Farbmuster sortiert. Alles, was einen bestimmten Wein besonders prägt, kommt bei den Lumos Weinen auf das Vorderetikett, wodurch sich der Kunde besser orientieren kann.

Die Mesa Weine sind ein Kind der Krise in Spanien. Viele Top-Weingüter konnten ihre ehemals teuren Weine nicht mehr so einfach auf den Markt bringen. Es fehlte die Kundschaft. Die besten Weingüter möchten aber auch nicht ihre teuren Tropfen zu Dumpingpreisen verscherbeln, da sie sich vor Markenverfall und negativer Presse schützen wollen. Aus diesem Grund haben wir die Mesa Serie geschaffen. Hier bieten wir genau diese Top-Weine an. Der Kunde weiß allerdings nicht im voraus, welchen Wein er kriegt. Wir garantieren aber, dass der Wein mindestens 50% günstiger als der Normalpreis ist. Wer also nach noblen Weinen sucht, aber gleichzeitig nicht zuviel zahlen will, kommt hier sehr gut auf seine Kosten.

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Reben werden in vielen  Ländern angebaut. Im heimischen Supermarktregal wird die Auswahl zunehmend international. Woher kommt Ihre Liebe zum spanischen Wein?

Wilder: Meine persönliche Liebe zum spanischen Wein kommt durch das Reisen. Dadurch bin ich mir der Vielschichtigkeit der spanischen Weinkultur erst bewusst geworden. Gerade weil das Spektrum so groß ist, bleibt Spanien für mich ein spannendes Thema. Es gibt immer wieder neue Regionen und Rebsorten zu entdecken. Ein Beispiel: Für viele ist das Land hauptsächlich für Rioja bekannt. Dabei gibt es auch hervorragende spanische Weißweine, wie beispielsweise im Rueda.

Der Verkauf von Rioja Weinen erreichte 2013 einen historischen Rekord. Besonders die noblen Gran Reservas erlebten einen Anstieg von 17 %. Wie erklären Sie diese Tendenz?

Wilder: Es stimmt, dass es seit zwei Jahren wieder ein steigendes Interesse an Rioja und Gran Reservas gibt, was nicht zuletzt an der Finanzkrise in Spanien liegt. Die Weine sind günstiger geworden. Allerdings spüren wir diese Entwicklung bei Vinos.de nicht so stark. Was wir aber sehen, ist, dass manch andere beliebte Regionen, wie z.B. Ribera del Duero, sich noch nicht von der Krise erholt haben.

Welche markanten Entwicklungen haben Sie im spanischen Wein miterlebt?

Wilder: Spanische Weine haben eine sehr starke Professionalisierung durchgemacht. Als wir angefangen haben, war die Kellertechnik bei den meisten Weingütern noch sehr einfach. Mittlerweile trifft man überall auf hochmoderne Kellereien. Auch der Biodynamismus erfreut sich steigender Beliebtheit.
Besonders die Weinqualität wurde dadurch drastisch erhöht. Wenn wir früher 20 Weine probierten, waren allgemein nur 10 für den deutschen Markt interessant. Heute fällt es uns schwer, nicht alle anbieten zu können.

Wolf_WilderSteckbrief – Wolf Wilder

Beruf: Weinliebhaber und leidenschaftlicher Einkäufer
Lieblingsrebsorte: Mencía
Lieblingswein: Mauro Vendimia Seleccionada
Trinkt Wein zu: (fast) jeder Gelegenheit

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