
Albariño gehört zu den spannendsten Weißweinsorten Spaniens. Vor allem in Galicien, im Nordwesten des Landes, entstehen daraus Weine, die mit ihrer Frische, Mineralität und einer ordentlichen Portion Atlantik-Feeling überzeugen. Normalerweise trinkt man diese Weine eher jung. Aber was passiert eigentlich, wenn man einem Albariño fast zehn Jahre Zeit gibt?
Genau das wollte ich beim Lusco Albariño 2017 herausfinden. Die Flasche hatte ich vor einigen Jahren bei Mövenpick gekauft und seitdem im Keller liegen lassen. Ob das eine gute Idee war? Allerdings: Anders als weißer Rioja, wie der Beronia Viura, ist der Albariño der beste spanische Weißwein und hat oft hervorragendes Reifepotential.
Optisch hatte der Lusco seine besten Jahre jedenfalls schon hinter sich. Statt des typischen hellen Gelbs zeigte er sich in einem dunklen Bernstein mit deutlichen Orangetönen. Ein Weißwein, der farblich fast schon mit einem gereiften Cognac flirtet.
In der Nase dann aber die erste Überraschung. Denn trotz seines Alters hatte der Lusco seine Frische keineswegs verloren. Die Aromen waren zwar etwas zurückhaltender, als ich es von einem jungen Albariño erwarten würde, aber durchaus noch präsent. Zitronenschale, Grapefruit und etwas Honigmelone sorgten für einen fruchtigen Auftritt. Nicht mehr ganz so spritzig wie ein junger Spanier, aber definitiv noch nicht im Ruhestand.
Am Gaumen wechselte der Lusco dann allerdings komplett die Richtung. Von der Fruchtigkeit in der Nase war plötzlich deutlich weniger zu spüren. Stattdessen übernahmen mineralische und leicht salzige Noten das Kommando. Fast so, als hätte jemand ein paar Tropfen Atlantikwasser ins Glas geschmuggelt.
Und genau das macht Albariño so spannend. Die Rebsorte ist bekannt für ihre maritime Frische, die mineralische Stilistik und eine Säure, die auch nach Jahren noch ordentlich Rückgrat zeigen kann.
Beim Lusco 2017 war es vor allem Letztere, die mich beeindruckte. Die Säure war hervorragend strukturiert und verlieh dem Wein einen erstaunlich langen Abgang. Während die Frucht am Gaumen eher den Rückzug antrat, blieb diese salzig-mineralische Frische noch lange präsent.
Und was isst man zu einem solchen Wein? Am besten etwas, das ebenfalls aus dem Meer kommt.
Bei mir gab es Gambas und Venusmuscheln, beide in Weißwein sautiert. Und selten war ein Food-Pairing so naheliegend. Die salzigen Noten des Albariño griffen die maritime Aromatik der Muscheln wunderbar auf, während seine Säure dem Ganzen die nötige Frische verlieh. Ein bisschen Galicien auf dem Teller, auch wenn man gerade nicht am Atlantik sitzt.
Würde ich einen Albariño grundsätzlich fast zehn Jahre lagern? Wahrscheinlich nicht. Dafür macht die Rebsorte auch in jungen Jahren einfach zu viel Spaß.

Aber der Lusco 2017 hat eindrucksvoll gezeigt, dass ein guter Albariño mehr kann als nur frisch und fruchtig. Mit zunehmendem Alter verschiebt sich sein Charakter – weg von der unbeschwerten Frucht, hin zu Mineralität, Struktur und einer ganz eigenen Persönlichkeit.
Dafür gibt es verdiente 4 von 5 Weinsnob-Korken. Ein Wein, der seine Jugend hinter sich gelassen hat, aber noch lange nicht zum alten Eisen gehört.
Den Lusco Albariño gibt es bei Decantolo und Vinello für ca. 17 Euro.





