
Es gibt Winzer, die folgen Trends. Und es gibt Elisabetta Foradori. Als sie in den 1980er-Jahren das Familienweingut im Trentino übernahm, hatte die lokale Rebsorte Teroldego nicht gerade den besten Ruf. Über Jahrzehnte wurde sie vor allem von Genossenschaften zu günstigen Massenweinen verarbeitet. Wer als Winzer etwas auf sich hielt, schielte lieber auf internationale Rebsorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot.
Aber nicht Elisabetta.
Statt französische Rebsorten anzupflanzen, setzte sie auf das, was direkt vor ihrer Haustür wuchs. Ihre Mission: beweisen, dass Teroldego weit mehr kann als unkomplizierten Alltagswein.
Und das mit ziemlich großem Erfolg. Heute gilt Elisabetta Foradori völlig zu Recht als Königin des Teroldego. Ganz nebenbei hat sie sich auch noch um die fast vergessene weiße Rebsorte Nosiola verdient gemacht. Eine Frau, die lieber Rebsorten rettet, als irgendwelchen Trends hinterherzulaufen.
Aber genug Geschichte. Was kann ihr Foradori Teroldego 2020 im Glas?
Schon in der Nase zeigt der Wein, dass hier kein langweiliger Genossenschaftswein auf uns wartet. Er präsentiert sich ausgesprochen aromatisch, mit erdigen Noten und einer überraschenden Portion Lakritz. Kein süßes Fruchtbonbon, sondern eher ein Wein, der nach Waldboden, Gewürzen und einem ziemlich erwachsenen Abend riecht.
Am Gaumen übernimmt dann die dunkle Frucht das Kommando. Maulbeeren und Brombeeren stehen im Vordergrund, begleitet von einer ledrigen Note, die dem Ganzen zusätzlichen Charakter verleiht. Dazu kommt eine lebendige Säure, die für ordentlich Frische und Struktur sorgt.
Und genau diese Säure ist Fluch und Segen zugleich.
Denn einerseits hält sie den Wein wunderbar lebendig und trägt ihn in einen erstaunlich langen Abgang. Andererseits wirkt der Foradori selbst nach sechs Jahren noch etwas kantig. Nicht unangenehm, aber eben auch noch nicht ganz dort, wo ich ihn gerne hätte.
Das macht ihn allerdings auch spannend. Denn während viele moderne Rotweine möglichst weich und gefällig daherkommen, zeigt der Foradori Teroldego lieber ein bisschen Haltung. Und gerade das unterscheidet ihn von so manchem glattgebügelten Cabernet Sauvignon.
Zum Essen gab es bei mir eine Pinsa mit Mortadella und Burrata. Eine Kombination, die erstaunlich gut funktioniert. Die cremige Burrata und die würzige Mortadella bieten einen schönen Gegenpol zur lebendigen Säure des Weins.

Von mir gibt es deshalb 4 von 5 Weinsnob-Korken. Den fünften hätte es gegeben, wenn die Säure nach sechs Jahren schon etwas harmonischer eingebunden wäre. Den Foradori Teroldego gibt es bei Superiore.de für ca. 17 Euro.
Und für alle die erdige Weine aus Norditalien mögen, schaut gerne mal beim Bricco dell’Uccellone vorbei.





