Doluca Sarafin Cabernet Sauvignon – Ein Supertoskaner aus der Türkei?

Doluca Sarafin Cabernet Sauvignon

Im dritten Teil meiner kleinen Reise durch die türkische Weinwelt geht es um den Doluca Sarafin Cabernet Sauvignon. Hinter dem Wein steht mit Doluca nicht irgendein Boutique-Weingut, sondern einer der größten Weinproduzenten der Türkei. Rund 500 Hektar Rebfläche bewirtschaftet das Unternehmen inzwischen – Größenordnungen, bei denen selbst viele europäische Weingüter kurz schlucken dürften.

Spannend wird es allerdings bei der Sarafin-Serie. Denn hier setzt Doluca bewusst nicht auf einheimische Rebsorten, sondern auf internationale Klassiker. Ein bisschen wie bei den Supertoskanern in Italien: weg von Tradition um der Tradition willen, hin zu einem moderneren, internationalen Stil. Und genau das machen Ahmet Kutman und Güven Nil hier bereits seit Ende der 80er-Jahre.

Der Doluca Sarafin Cabernet Sauvignon zeigt dabei ziemlich schnell, wohin die Reise geht.

Im Glas steht ein tiefdunkles Rot mit rubinfarbenen Reflexen. Optisch definitiv eher „Abendessen bei Kerzenschein“ als leichter Terrassenwein.

In der Nase bleibt der Wein zunächst etwas zurückhaltend. Schwarze Johannisbeere ist da, dazu etwas Vanille vom Holzfass. Kein Aromafeuerwerk, eher kontrolliert und ruhig.

Am Gaumen wirkt der Sarafin dann deutlich zugänglicher als viele andere türkische Rotweine, die ich bisher im Glas hatte. Vor allem im Vergleich zum deutlich kantigeren 7 Bilgeler Thales Miletos spielt der Sarafin fast schon die Rolle des Diplomaten. Die Frucht steht klar im Vordergrund, ohne dass der Wein beliebig wird. Dazu kommen relativ weiche Tannine – zumindest nach türkischen Maßstäben. Etwas Leder bleibt trotzdem. Und das ist auch gut so.

Wenn ich mir beim Doluca Sarafin Cabernet Sauvignon etwas wünschen dürfte, dann wäre es ein wenig mehr Facettenreichtum. Er ist nicht ganz so „in your face“ wie andere Rotweine aus der Region, gleichzeitig aber auch kein Paradebeispiel für große Eleganz. Stattdessen bewegt er sich irgendwo angenehm dazwischen.

Und genau darin liegt wahrscheinlich auch seine Stärke. Denn diese Balance macht ihn überraschend vielseitig beim Essen. Klar funktioniert rotes Fleisch. Aber der Sarafin kann eben auch mit weniger wuchtigen Gerichten umgehen. Spieße vom Grill passen hervorragend. Selbst gebratenes Hühnchen funktioniert erstaunlich gut. Oder anders gesagt: Das hier ist kein Wein, der unbedingt beeindrucken will. Sondern einer, der ziemlich genau weiß, wann er entspannen kann.

Ein Supertoskaner ist der Doluca Sarafin Cabernet Sauvignon deshalb vielleicht noch nicht. Aber definitiv eine spannende Interpretation der Rebsorte Cabernet Sauvignon – weit weg von Frankreich, Kalifornien oder Südafrika.

Und vor allem: eine ziemlich gute Flasche für lange Sommerabende auf der Terrasse.

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